Mittwoch, 4. Oktober 2017

FKK in Thailand - Chan Resort in Pattaya

 Chan Resort, das erste FKK-Gästehaus in Pattaya


In Thailand sind Nacktheit und Sex  untrennbar miteinander verbunden. Für den normalen Thai oder die Thailänderin ist es unvorstellbar, daß Männer und Frauen, ja ganze Familien mit Kindern sich im Sommer auf Campingplätzen zusammenfinden um splitternackt herum zu laufen, zu schwimmen oder Sport zu treiben.

Öffentliche Nacktheit geht gar nicht, was allein geht ist die Zurschaustellung in Nachtclubs, und da haben auch nur die Frauen nackt zu sein, die Männer schauen sich das an. ( Von einigen Gay-Bars mal abgesehen )

Bei den jährlichen Neujahrsfeiern nach dem buddhistischen Kalender,  vom jeweiligen Mondstand abhängig  meistens Mitte April, läßt schon mal das eine oder andere Barmädchen bei den traditionellen Wasserschlachten das T-Shirt weg, weil es sowieso patschnaß ist.


Das ist dann der Untergang der thailändischen Kultur, geht durch alle  Zeitungen und wird  sogar von der  Regierung offziell gerügt.  Dabei vergessen die zuständigen Herren, daß es noch gar nicht lange her ist, daß  ¨oben ohne¨ für die Damen durchaus üblich war, wenig verwunderlich bei den tropischen Temperaturen. Die "Nang Songkran" auf den traditionellen Bildern beweisen es!    Aber bis 1930 trugen die Damen auf dem Lande auch nur den Wickelrock, wenn es besonders heiß war.



Ein offizielles Poster von 1942  zeigt das auch, weist aber gleichzeitig darauf hin, daß das nun nicht mehr schicklich ist, Thailand  hat jetzt Anschluß an das 20. Jahrhundert gefunden!


Wickelrock für die Herren ist auch  nicht mehr erlaubt,  die müssen jetzt Hosen tragen, und die Damen Rock und Bluse nach westlichem Vorbild. Statt Sandalen sind geschlossene Schuhe Pflicht, zumindest für die Herren. Fortschritt verlangt halt Opfer.

Badeurlaub nach konventioneller thailändischer Sitte bedeutet, Mama und Papa setzen sich in kurzen Hosen  in den Schatten, die Kinder dürfen im Wasser planschen.  Unter den jungen und gebildeten Thais haben sich natürlich auch schon westliche Urlaubssitten eingebürgert,  da trägt frau auch einen Bikini.

Bemerkenswert ist, daß die Barmädchen, davon gibt es ja in den einschlägigen Touristenorten wie Pattaya zehntausende,  wohl äußerst knapp  bekleidet an der Stange in der Bar tanzen, sich aber am öffentlichen Strand  sehr bedeckt geben. Da wird ganz klar unterschieden zwischen Job und Freizeit, nur eben andersherum, was die Bekleidung betrifft.

Es ist  darum umso erstaunlicher, daß es in Pattaya ein hübsches kleines Gästehaus mit nur 12 Zimmern gibt, das sich explizit als FKK Resort bezeichnet. Fernab vom Rotlicht -Distrikt, in einer sehr ruhigen Seitengasse gelegen. Ja und Alex, betreiben dieses  Haus mit ausgesprochen familiärer Atmosphäre.




 

Von der Strasse und den Nachbarn nicht einsehbar,    gibt es einen schönen Pool und einen Aufenthaltsbereich, wo man sich unbekleidet bewegen kann.  Obst, Wasser, Tee und Kaffee sind den Tag über kostenlos, das Frühstück wird nach Wunsch zubereitet und  ist im Preis  inbegriffen.

Die Zimmer sind mit rund 50 Euro nicht die billigsten, besonders im Vergleich zu manchen  ¨Russenhotels¨ in der Stadt.  Aber sie sind blitzsauber, ständig wird von den beiden Hausmädchen irgendwo gewischt, man fühlt sich wirklich sehr wohl. In den Zimmern gibt es Flachbildfernseher, unter Anderem kann auch die Deutsche Welle empfangen werden. Ein kleiner Balkon lädt zum Sitzen ein, aber nur am Abend, wenn die Hitze etwas nachgelassen hat.  Das Frühstück ist im Preis enthalten und natürlich die Exklusivität.
Zu Mittag und Abend können Speisen bestellt werden, die liefert ein Restaurant in der Nähe zu sehr annehmbaren Preisen.

Die Qualität des Thai-Essen war sehr gut, das „westliche“ Essen habe ich nicht probiert. Abends gehen die Gäste überwiegend nach draußen, das Angebot an ¨Futterstellen¨ ist ja riesig in Pattaya.

Von der Nudelsuppe für 1 Euro an der Straße bis zum hochpreisigen Dinner auf der Terrasse des Hilton Hotels gibt es alles. Fußläufig vom Gästehaus sind allerdings nur die Suppenshops zu erreichen,  zu den anderen Destination muß man ein Taxi nehmen.

Kostet auch nicht die Welt, sofern man mit einem Sammeltaxi unterwegs ist.  Die fahren bis spät in die Nacht bestimmte Routen immer auf und ab, jede Strecke kostet dabei 10 Baht, etwa 30 ct.  Nachteil ist, daß sie nicht klimatisiert sind und eben feste Strecken haben, meist muß man vom Haltepunkt noch ein Stückchen laufen. Mit einem GPS-fähigen Smartphone in der Hand kann man seine Fahrt in Echtzeit verfolgen, auf ein Klingelzeichen hält der Wagen an jeder Stelle an.

Das Chan resort liegt in einer Seitenstrasse, da fahren die Sammeltaxis nicht rein, man muß gut 5 Minuten laufen.

Gäste des Chan Resort sind überwiegend Touristen, aber auch Einheimische finden den Weg dorthin.  Die einen, viele sind es noch nicht, haben FKK wohl in Europa kennen und schätzen gelernt, andere kommen, um sich mit einer ¨Freundin¨  eine ungewöhnliche  Location für ein Stelldichein zu gönnen, mal was anderes als die üblichen Motels. Wer dann allerdings in Badezeug an den Pool kommt, wird von der Managerin höflich, aber bestimmt darauf hingewiesen, daß zumindest im Pool Nacktheit erwünscht ist.
 

 Das Chan Resort ist definitiv kein Swinger-Club, erweckt  aber aufgrund der ungewöhnlichen Bekleidungssitten für  manche Gäste womöglich diesen Eindruck. Deswegen gibt es diskrete Hinweise überall im Haus, daß ¨public sex¨ nicht erwünscht ist. Der Unterschied zwischen „public nudity“ und „public sex“ ist eben noch erklärungsbedürftig. Es ist zu hoffen, daß ein Besuch im Chan Resort für den einen oder anderen Thai-Gast  Anlaß sein kann, sich mit dem FKK-Gedanken anzufreunden.

Die Gastgeberin selbst ist nie nackt zu sehen, sie sagt, daß ist für sie als Thailänderin mit all den Angestellten im Hause völlig unmöglich.  Daß die beiden Hausmädchen auch bekleidet sind und immer ein klein bißchen verschämt gucken, daran muß man sich halt als Gast gewöhnen und sie einfach anlächeln.  FKK ist eben in Thailand etwas völlig Neues und hat nicht  wie in Europa eine hundert Jahre lange Tradition. Schon 1898 wurde der erste FKK-Verein in Deutschland gegründet, und ein blanker Busen in der Öffentlichkeit ist schon lange kein Thema mehr für irgendeine Aufgeregtheit.




Samstag, 30. September 2017

FKK in Thailand - geht doch!

Hatte ich 2014 noch in meinem Blog geschrieben, daß Thailand kein Land für FKK-Freunde ist, so muß ich das jetzt korrigieren. Es hat sich  einiges getan, dank der Thai Naturist Organisation.

Nacktheit in der Öffentlichkeit ist immer noch  illegal, aber gegen einigermaßen abgeschlossene Orte, wo man Naturismus praktizieren kann, hat niemand etwas, und so ganz langsam setzt sich der Gedanke durch, daß Nacktheit nicht gleichbedeutend mit Sex sein muß. Für die Thais sind die Ausländer sowieso immer etwas komisch, und wenn sie denn unbedingt nackig herumlaufen wollen, sollen sie doch. Von der Religion her gibt es im Buddhismus sowieso keine Probleme in dieser Beziehung.
War es früher, also vor 1932, für die Damen auf dem Lande durchaus üblich, oben ohne zu gehen, sieht man das heute sehr viel strenger. Schon ein blanker Busen beim jährlichen Songkran Festival, bei dem wirklich nichts und niemand trocken bleibt, wird als Untergang der Kultur angesehen. Dabei liegt die Schande nicht bei den Mädchen, die das Oberteil verloren haben, die werden mit 500 Baht  bestraft, sondern bei denjenigen, die die Bilder davon verbreiten!

Paolo, ein schon länger im Land lebender Franzose, wollte vor 5 Jahren etwas anbieten was es noch nicht gab, und da erschien ihm der Gedanke an ein FKK-Resort als eine gute Idee. So entstand das Oriental Village in der der Nähe von Chiang Mai, im Norden Thailands.

Das Oriental Village liegt etwa eine halbe Fahrstunde außerhalb von Chiang Mai umgeben von Reisfeldern in einer ländlichen Umgebung. Es gibt keine Mauern oder blickdichte Zäune, auf der einen Seite ist alles offen zu den Reisfeldern, auf der Rückseite der Bungalows sind Bambussträucher und Bäume.

12 klimatisierte Bungalows befinden sich an der Längsseite eines gepflegten Gartens, es gibt einen
kleinen Pool und einige offene Hütten zum Sitzen oder sich massieren zu lassen.
Die Traditionelle Thai Massage steht im Zeichen von Gesundheit und Prävention, aber es geht besonders auch um körperliches und geistiges Wohlbefinden, letztendlich um Lebensqualität. Thai Massage wird traditionell auf einer Matte am Boden praktiziert. Masseur und Behandelter befinden sich auf derselben Ebene. Dies erlaubt dem Behandelnden, sein Körpergewicht optimal für die Massage einzusetzen und durch die Übertragung von Druck, Kraft und Energie einen hohen therapeutischen Nutzen zu erzielen.

12 Bungalows bedeutet, daß sich maximal 24 Gäste im Resort aufhalten, dazu der eine oder andere Tagesgast aus Chiang Mai. Es ist wirklich ein Ort der Ruhe und Entspannung, wer Nightlife sucht, ist hier sicher nicht richtig.

Das kleine Restaurant bietet neben den üblichen Thaigerichten auch eine Auswahl an europäischen Speisen an, alles zu sehr moderaten Preisen. Da Alkohol in Thailand sehr hoch besteuert wird, kosten Cocktails das gleiche wie ein Thai-Essen, aber in Euro umgerechnet ist alles immer noch sehr preiswert. So bezahlt man für ein kleines Bier etwa 2 €, das wird von den freundlichen, aber vollständig bekleideten Damen auch gern an den Pool gebracht, damit man diesen bei der Hitze gar nicht erst verlassen muß. Der ist leider nicht so groß, wie er auf den Bildern erscheint, reicht aber zum Abkühlen allemal.

Es gibt zwei Kategorien von Bungalows, die man angesichts der schönen Anlage eigentlich nur zum
Schlafen aufsucht. Die Deluxe-Version ist etwas eleganter eingerichtet und hat einen großen Flat-TV, das Fernsehprogramm ist ähnlich wie bei uns, nur daß man nicht versteht, was sie sagen. Wichtiger für die meisten Gäste ist der kostenlose Internetzugang, der sogar bis zum Pool reicht.

Wenn man das Resort doch einmal verlassen will, gibt es mehrere Möglichkeiten: man kann sich ein Fahrrad oder ein Moped ausleihen und die nähere Umgebung erkunden, oder sich nach Chiang Mai fahren lassen. Die Gegend um Chiang Mai bietet eine Fülle an Ausflugszielen und Attraktionen, von denen nur die wenigsten so überlaufen sind wie das Kloster Wat Doi Suthep auf dem Hausberg von Chiang Mai. Das Klima im Norden ist auch wesentlich angenehmer als in Bangkok, es ist nicht so feuchtwarm. Gerade Ausflüge in den Bergen machen Spaß, weil es deutlich kühler ist als im flachen Land.

Im nächsten Blog berichte ich dann vom Chan Resort in Pattaya.

Mittwoch, 13. September 2017

Pattaya und das älteste Gewerbe der Welt

Man schätzt, daß es etwa 30.000 Sex-worker in Pattaya gibt, Frauen, Männer, Ladyboys und alles dazwischen. Die meisten sind Thais, aber es gibt auch eine erstaunliche Anzahl Russinnen und  Ukrainerinnen,  jedenfalls werden sie in den einschlägigen Etablissements so angepriesen.  Die Polizei macht öfter mal Razzien, denn Prostitution ist verboten. Dan werden vorzugsweise die ausländischen  verhaftet. Nach Zahlung einer Strafe in Höhe von 50 $ werden sie dann wieder freigelassen mit der Ermahnung, in Zukunft so etwas nicht mehr zu tun.  

Bericht in der Bangkok Post  https://www.bangkokpost.com/news/special-reports/1325911/sex-work-lures-african-women-to-pattaya

Die thailändischen Frauen sagen selbst, daß sie eigentlich nicht in Konkurrenz stehen zu den Frauenaus Afrika oder der Ukraine. Jede Gruppe hätte ihre bevorzugte Klientel, und da sich die Thais schonrein körperlich stark abheben,  sie sind schmal und zierlich,  gäbe es da fast keine Probleme. 

Prostitution ist nicht mit den den Ausländern nach Thailand gekommen, diese Fehlinformation sollte
mittlerweile widerlegt sein, sie hat nur einen enormen Aufschwung genommen mit den GI´s, die während des Vietnamkriegs zu RR ( Rest and Recreation) nach U-Tapao eingeflogen wurden. Der während des Vietnamkriegs genutzte Militärflugplatz  diente den   Amerikanern  als Basis und  ist nur wenige Kilometer von Pattaya entfernt, und so bevölkerten mehr und mehr amerikanische Soldaten die Bars und Badehäuser.  Wo eine Nachfrage ist, entwickelt sich ein Markt, und ein Markt zieht aus wieder neue Kundschaft an.
 
Mit den Billigflügen nach Thailand um 1970 kamen dann auch sehr viele Touristen aus Westeuropa, aus dieser Zeit stammt der überlieferte Spruch (du Neckelmann, du bumsen?"

 
  Ein Badehaus, auch Türkisch-Bad genannt, war eine äußerst beliebte Institution. Der ( männliche ) Besucher betrat das Haus und fand sich in einem großen abgedunkelten Raum wieder.  Abgetrennt durch eine Glasscheibe saßen die Masseusen wie Hühner auf der Stange zur Begutachtung.  



Bei einem Bier wurde dann gefachsimpelt, welche denn nun am besten massieren täte, die wurde dann herausgerufen, bewaffnete sich mit Handtüchern und geleitete den Gast in ein Badezimmer.  Sie ließ heißes Wasser ein ( eine Seltenheit in einem Thai-Haushalt damals), assistierte beim Entkleiden und seifte den Gast dann in der Wanne ordentlich ein.  Anschließend wurde er trocken gerubbelt und durchgeknetet. Sofern der Gast  Extrawünsche hatte, wurde diese gegen einen Aufpreis bereitwilligst erfüllt.  
In den Bars ging es recht gesittet zu, die Damen waren vollständig bekleidet und nicht nur mit knappen Bikinis wie heute.  Das Werbeplakat der Mosquito Bar ist in sofern irreführend, als daß die Damen zu der Zeit niemals oben ohne getanzt haben. Die  Herren der Band spielten, das ist korrekt, im Anzug. 

So gingen die Jahre ins Land, der Vietnamkrieg ging zu Ende, es kamen immer mehr Touristen und das Geschäft mit dem Sex boomte.  Aus den Bretterbuden wurden massive Häuser:

Üblicherweise gab es einen Empfangsraum, wo die damen saßen und wo auch Getränke serviert wurden. Der Freier nahm dann die Dame seiner Wahl entweder mit ins Hotel oder vergnügte sich mit ihr in einem der Zimmer des Hauses.




Ganz, ganz früher sah es etwa so aus: 
 
Bordellstrasse im alten Siam, vor etwa 150 Jahren. Vor jeder Tür hängt eine rote Lampe, damit der Besucher weiß, woran er ist.  Noch um 1972 gab es ähnliches auf dem Lande, da waren tagsüber Nähstuben in Betrieb, abends wurden die Maschinen reingeholt und rote Laternen aufgehängt.

 
Zur Geschichte der Prostitution:

König Chulalongkorn, der große Reformer des alten Siam, hatte 1874 ( die USA auch erst 1865)  dekretiert, daß die Sklaverei  abzuschaffen sei. Durchgesetzt hat sich das Sklavenverbot erst 1905, als das mittelalterliche System der Fronarbeit durch die direkte Besteuerung der ehemaligen Sklavenherren und die Bezahlung der ehemaligen Leibeigenen erfolgte. Durch Beendigung des Sklavenhandels festigte sich das Selbstbewusstsein der Bevölkerung und das Vertrauen zum König. Aber viele Frauen verblieben in sklavenähnlichen Verhältnissen und mußten in Bordellen den Männern der Oberschicht zu Diensten sein.
 Und wahr ist ebenso, daß Südostasien schon immer Männer aus fernen Ländern anzog, die exotische Weiblichkeit schätzten und sich dort auch entsprechend – und vollkommen ungehindert – bedienen konnten.

Ein heute noch bekanntes Etablissement um 1900 hieß zum Beispiel Splendid Bar & Restaurant. Um 1900 führte die Bar der 1874 in Czernowitz in der Bukowina geborene Abraham Ausländer, der aus Schanghai nach Bangkok gekommen war.  Abraham Ausländers offiziell zur Bedienung angestellte Frauen zogen jedenfalls schon zu König Chulalonkorns Zeiten die Kundschaft an. Auch einheimische Prinzen schlugen sich hier Nächte um die Ohren und vergaßen hinterher gelegentlich, den Geldboten zu schicken, wenn die Rechnung etwas höher als geplant ausfiel. ( Geschichte der Prostitution in Thailand, Pakinee )

Und wie sieht es heute aus? Ganz typisch ist folgende Geschichte: eine junge Frau aus dem Nordosten, einer landwirtschaftlich geprägten  Gegend, verheiratet sich voller Liebe mit einem Thai, bekommt ein Kind, der Mann haut ab und sie steht alleine da.  Gute Freundinnen erzählen von den tollen Verdienstmöglichkeiten in Bangkok oder Pattaya, sie fährt hin, nur um zu erkennen, daß es zwei Möglichkeiten gibt: für ganz wenig Geld 12 Stunden in einem billigen Restaurant schuften - oder sich zu prostituieren und viel Geld zu verdienen. Als sitzengelassene Ehefrau ist der Weg dann nicht allzuweit, zumal die Freundinnen mit ihrem Geld, Schmuck und tollen Kleidern protzen. Und da ist ja sogar die Hoffnung auf einen reichen Farang (Ausländer), der einen heiratet.  Die Chancen, einen Thai-Mann zu heiraten sind für sie jetzt praktisch auf Null, Bar-Girls werden nur von Ausländern geheiratet.

So fängt es dann an, das Leben als Prostituierte. Noch ist sie jung und attraktiv, verdient viel Geld und kann ihre Eltern unterstützen, die auf das Kind aufpassen. Der  Rest geht dahin für Kleider, Schmuck und sonstwas. Wenn sie klug ist, kauft sie daheim ein Grundstück als Altersvorsorge.
So gehen die Jahre dahin, das HIV-Risiko ist extrem hoch, und der Verdienst wird langsam geringer, bis sie eines Tages sehen muß, daß jüngere Mädchen das Geschäft übernehmen.
Erstrebenswert ist daher, möglichst noch am Anfang der Karriere einen netten Ausländer zu finden, der sie heiratet. Damit sind die Probleme natürlich noch nicht aus der Welt, denn eine Urlausbsliebschaft ist etwas anderes als eine Ehe in einem fremden Land.  Aber das ist Stoff für einen anderen Blog.

Das Tamar-Center, das ich besucht habe, bietet den Frauen Hilfe beim Ausstieg aus der Prostiution an. Es gibt Kurse als Bäckerin oder Friseuse, Berufe, mit denen sich ein zwar schmales aber ausreichendes Einkommen erzielen läßt.  Sofern die Frauen jung sind, verdienen sie zwar viel Geld, geben es aber meist ganz schnell wieder aus. Zielgruppe von Tamar sind daher die etwas älteren Prostituierten, die absehen können, daß sie irgendwann gegenüber der Konkurrenz nicht mehr mithalten können und in die unteren Preisgruppen abrutschen.

Hier die Webseite von Tamar http://www.tamarcenter.org/de/home

Im Gegensatz zu der A21 Walk for Freedom Aktion (mein voriger Blog) weiß man bei Tamar genau, was de mit dem Geld machen und sieht die Ergebnisse. Der Kuchen in der Bakery ist übrigens sehr lecker, ich mache da immer eine Kaffeepause, wenn ich wieder in Pattaya bin.


Montag, 11. September 2017

Walk for Freedom oder wie man jungen Leuten das Geld aus der Tasche zieht

kaum bin ich mal in Deutschland,  muß ich mich schon wieder aufregen.

In  Düsseldorf  und anderen Städten wird gerade ein "Walk for Freedom" angekündigt, ein Protestmarsch gegen Sklaverei und Menschhandel sowie Zwangsprostitution.  Ist ja an sich lobenswert.

https://hillsong.com/germany/event/2015/08/17-10-walk-for-freedom/

Wie bei einem Rennen muß man ein Startgeld von 10 € bezahlen, fand ich schon mal seltsam, aber immerhin gibt es dafür einen fair produzierten Regenschirm.  Die Teilnehmer sollen ganz in schwarz gekleidet kommen und schweigend durch die Stadt gehen.

Wo ist eigentlich das in Deutschland vorgeschriebene Impressum? Die Domain "hillsong.com"  ist auf die Hillsong Church Ltd. in Australien regsitriert, die brauchen sowas wohl nicht.

In der nächsten Zeile kommt dann die Aufforderung, auch gleich an die "Organisation" zu spenden.
Und weil das wohl nicht reicht, dann die Aufforderung, auch noch im Freundeskreis Geld zu sammeln.
Weil nirgends steht, wo man das gesammelte Geld hinschicken soll, klicke ich mal auf den link A21.org.
Es öffnet sich eine englischsprachige Seite und es wird ein hehres Zeil genannt:
Together, we are eradicating human trafficking through awareness, intervention, and aftercare.

Das kling gut! Aftercare heißt Nachsorge, also ein nachhaltiges Projekt.  

Immer noch keine Kontonummer, ich klicke mal auf Donate. Es werden Beträge ab 25 € vorgeschlagen, und die mögliche Verwendung:  

Each gift of €30 could provide new clothes for a survivor who has just been rescued. 

Die Geretteten kriegen also neue Kleider. Na gut, ich geb mal 30  € und komme auf diese Seite: 

https://www.a21.org/donate.php?offerid=111&donationamount=30&recurrencetype=&sourceid=&source=

Als einzige Zahlungsmöglichkeit wird Kreditkarte angeboten. Hab ich zwar, geb ich aber nur äußerst ungern raus, schon garnicht, wenn ich den Empfänger nicht kenne.
Ganz unten steht "tax information", vielleicht finde ich da was.   Eine Spendenquittung fürs Finanzamt nützt mir zwar nichts, da ich nicht in Deutschland lebe, aber mal sehen.

Da steht doch was: In the United Kingdom and Europe, all A21 Campaign activities, operations and financial matters are conducted by The A21 Campaign Limited, a private company limited by guarantee and a registered charity in England and Wales. Our charity registration number (RN) is 1140754. Donations in the United Kingdom are eligible for Gift Aid as allowed by law (Gift Aid reference number XT29794). The A21 Campaign Limited is a registered charity in Scotland (charity registration number SC043081). 

Eine  A21 Campaign Limited bekommt also das Geld.Mal sehen, ob ich die finde: 

https://www.totalgiving.co.uk/charity/the-a21-campaign-limited-1140754

Aber das ist keine Finanzamtseite, sondern nur eine Seite,  wo sich jedermann registrieren kann als "charitable".  Weitersuchen mit  den keywords gov und uk.  Bingo!

http://beta.charitycommission.gov.uk/charity-details/?regid=1140754&subid=0

Das ist wohl eine Regierungsseite, und da steht auch gleich, wieviel Geld die haben, nämlich  626.000 Pfund Einkommen in 2015. Ausgegeben haben Sie 363.000.  Die Firma ist von HMRC als wohltätig anerkannt.  HMRC steht für Her Majesty´s Revenue and Customs.

Die nächste Seite bringt die finanziellen Details: 
http://beta.charitycommission.gov.uk/charity-details/?regid=1140754&subid=0

Interessant sind die Ausgaben: Ausgaben für wohltätige Zwecke: 239.000 Pfund. 

Die teilen sich auf in

 41%  Charitable spending 
(including governance costs) as a percentage of income received by the charity in the reporting period. Does not include planned future spending. 

17% Income generation
Costs incurred in generating income as a proportion of total income received in the reporting period. May include spending to secure future funding.

42% Retained
The percentage of the charity’s total income retained for future use. 

Unter Documents findet man nun endlich einen Finanzbericht und auch, was mit (einem Teil) des Geldes gemacht wurde in 2015.  

Progress and public benefit
In March 2015, the 4l h Musketeer's "Muskathlon", a marathon that followed the notorious trafficking route along the border between Greece and Bulgaria, raised EUR 347,113 and significant awareness of the Injustice of human trafficking. The 4 h Musketeer plans to partner With A21 In future endurance events.
The SAFE Program continued to see survivors successfully repatriated throughout 2015.


2015 saw a growing number of refugees from Syria camped at the Greece border. A21 identified these refugees as particularly vulnerable to human trafficking and with the close proximity between the refugee camps and A21's Greece office, A21 was Ideally located to assisL A21 provided assistance to the refugees, both In meeting their Immediate needs and by providing trafficking prevention training. A significant fundraising campaign was used to raise over USD $500,000 across all A21 entities worldwide. This enabled the A21 team In Greece to organise the Installation
of a fresh water supply and many water/hygiene stations. Each station Is a 6 metre shipping container equipped with a Water filter to ensure high quality drinking water with 20 taps and sinks and 2 sinks for children. Each can serve up to 20 people at a time. These containers also serve as a billboard, providing refugees with vital information on their current location, the risk of being trafficked and numbers they can call for assistance, including our trafficking hotline:
Our efforts with refugees have also been an Influencing factor In at least one rescue of a victim of human trafficking as well as resulting In many being educated In the risk of trafficking 


Da steht dann nur, daß 500.00 USD weltweit gesammelt wurden, und eine Frischwasseranlage installiert wurde in einem Flüchtlingslager.  In oder an den Containern stehen Informationen, die die Flüchtlinge vor Menschenhandeln warnen, und eine Notrufnummer (our trafficking hotline)  

The SAFE Program conttnued to see survivors successfully repatriated throughout 2015. 
Was SAFE ist, konnte ich noch nicht herausbekommen, gibt ganz viele Organiationen mit diesem Namen. Repatriation heißt Rückführung. 

Further training was conducted at Gatwick Airport and with the Police. 

Training von was und für wen? Für die Polizei am Flughafen?  Sehr merkwürdig.

FINANCIAL REVIEW
Financial performance review
Total incoming resources increased by 51% to £626,583 (2014: £413,580} predominantly due to Muskathlon Income of £242,710.
Total expenditure has decreased by 28% to £363,133 12014: £503,357) as In 2014 increased support was sent to the facilities at Greece and to establish operations in Thailand.


Also 363k Pfund wurden ausgegeben für gesteigerten Support der Anlage Griechenland und um die Organisation in Thailand aufzubauen.  Das ist bei derzeitigem Kurs rund eine halbe Million Euro!
 
Over 85% of total expenditure Is directly attributable to these four activities of Prevention ahd Awareness, Protection, Prosecution and Partnerships,
with the remaining expenditure providing the fundraising and administration activities vital to ensuring the charity can operate at its full potential.

   
Prevention, Awareness & Education (PAE) 172,886  Pfund
Protection, rescue and restoration 109,789  Pfund
Prosecution 9,285  Pfund


Auf der Bank lagen zum 31.12.2015    572,326 Pfund. nicht schlecht.   

Die Angestellten bekamen 63.000 Pfund, die drei Direktoren arbeiten ehrenamtlich. 

Noch schnell nach den Direktoren gesehen: https://companycheck.co.uk/company/07335469/THE-A21-CAMPAIGN-LIMITED/companies-house-data

Nicolas Caine ist der Ehemann von Christine Caine, die  mit ihrem Namen hinter der A21 Organisation steht. 

http://christinecaine.com/content/nick-and-christine/gjtcp4?permcode=gjtcp4&site=true

Wobei wir nun endlich bei der Hillsong Church wären in Australien: 

http://www.smh.com.au/good-weekend/inside-the-hillsong-churchs-moneymaking-machine-20151026-gkip53.html

Da Nicholas als Pastor ein gutes Gehalt bezieht, kann er für A21 auch ehrenamtlich tätig sein.  

Fazit: eine exzellente PR-Maschine weltweit  für "Bewußsteinsbildung"  der Tatsache, daß es Menschenhandel und Zwangsprostitution gibt, sowie für eine Wasseraufbreitungsanlage in einem Flüchtlingslager Griechenland 2015 - das ist wenig für das Ziel.  Training mit Polizeistationen am Flughafen für wen oder was?  Die wirkliche Verwendung des Geldes wird verschleiert, denn die "Walk for Freedom" Märsche werden ja sowieso von den Teilnehmern bezahlt. Der Kontostand ist hoch.
Wenn man den Beitrag über die Hillsong Kirche liest kommen noch mehr Zweifel für die korrekte Verwendung der Spendengelder. Die führen zwar die A21 Kampagne in ihrem Jahresbericht, aber ohne Angabe von Zahlen.

Und:  Menschenhandel und Zwangsprostitution sind sowieso strafbar und werden verfolgt, da braucht es eigentlich nicht diesen enormen Aufwand, uns das ab und zu wieder in Gedächnis zu rufen. 

Ich poste mal einen Bericht über das Projekt Tamar in Pattaya, da weiß man wenigstens, wo das Geld bleibt.  




 






 

Mittwoch, 22. März 2017

Was ist los auf Phuket?

Für alle, die noch nie in Thailand  Urlaub gemacht haben, will ich hier mal die Ereignisse der letzten Monate zusammenfassen.

Phuket, das ist die beliebte Ferieninsel im Indischen Ozean.  Es gibt tolle Strände, gute Hotels und prima Essen. Das ganze auch recht preiswert, jedenfalls für uns Ausländer.  In meinem Blog "warum Thailand nichts für FKK Freunde ist" hatte ich ja schon über die Badesitten im allgemeinen berichtet und wie sich die Urlaubssitten der Thais und der Ausländer unterscheiden.
Das hat sich nicht wesentlich geändert, Badeurlaub ist immer noch in erster Linie etwas für Ausländer.  Um die geht  es auch hier.

Der bekannteste Strand  ist der von Patong,   man erreicht ihn direkt vom Hotel, nur über die  Patong Beach with loungers  Hauptverkehrstrasse.   Wenn man das überlebt hat, kann man ausruhen, baden gehen,  etwas essen oder trinken. Denn der ganze Strand ist vollgestellt mit Liegen und Sonnenschirmen zur Vermietung.  Die kosten wenig für den ganzen Tag, man kann mittags weggehen und sicher sein, daß jemand auf die Handtücher und Badesachen  aufpasst. Denn davon leben ganze Familien, die haben einen Strandabschnitt gemietet, von einem "Obervermieter", der wiederum  sich die Genehmigung für den ganzen Strand von der Stadtverwaltung gekauft hat.  Allerdings floß der Erlös nicht etwa in der Stadtsäckel von Patong, sondern in diverse Taschen, wie in Thailand üblich.
Das ganze war also von Grund auf illegal, aber es hat funktioniert.  Jeder hat dran verdient, und die Touristen waren es auch zufrieden, sozusagen ein Rundum-Service am Strand.  Ein Fingerschnipsen ( also nicht wörtlich, das "Schnipsen" gehört sich nicht in Thailand )  genügt, und der Sonnenschirm wird justiert,  Getränke werden geholt oder etwas zu essen.  Nur ins Wasser muß man sich selbst bemühen.

Am Abend kann man "seinen" Platz gleich wieder reservieren und wird dann am nächsten Tag freundlichst begrüßt.  Viele Touristen geben am letzten Tag ein großzügiges Trinkgeld oder ein kleines Abschiedsgeschenk.

Im Sommer 2014 hat eine Militärregierung die Macht in Thailand übernommen, und bald darauf begann der "Nationale Rat für Frieden und Ordnung" (NCPO) mit groß angelegten Säuberungsaktionen. 1500 Militäroffiziere, Soldaten und Polizisten wurden dazu aufgerufen, Bauwerke an Phukets bekanntesten Stränden entlang der Westküste abzureißen, da sie alle auf "öffentlichem Land" errichtet und illegal betrieben wurden. Mit Bauwerken waren makeshift Bars und ähnliches gemeint.

Narong Pipattanasai, stellvertretender Generalsekretär der NCPO, bewertete damals  die Aktion als großen Erfolg: "Private Unternehmen und Verkäufer haben jahrzehntelang illegale Geschäfte an Phukets Stränden betrieben. Nun haben wir die Strände in ihren natürlichen Ursprung zurückversetzt, und sie sind wieder wunderschön anzusehen! Das wird vor allem auch die Touristen freuen." (Zitat Ende)

Soweit so gut,  aber die große Flurbereinigung wurde ohne jedes Augenmaß vorgenommen.  Plötzlich waren nicht nur  die Liegen und Sonnenschirme verboten, sondern es war auch nicht gestattet, eigene mit zu bringen!  Es sind Fälle bekannt geworden, wo Polizisten Urlauber am Strand aufgefordert haben,  entweder den eigenen Sonnenschirm abzubauen, oder den Strand zu verlassen.
Der Strand ist jetzt schön leer, aber natürlich legt sich niemand auf einem Handtuch in die Sonne, wir sind nur noch knapp 1.300 km vom Äquator entfernt!   Also ein kleines bißchen zurück, Touristen dürfen jetzt eigene Schirme mitnehmen an den Strand- aber das Vermieten von Schirmen ist verboten!

Und so geht es hin und her, weder die Polizeit weiß genau, was gerade angesagt ist, noch wissen es die Touristen, die natürlich nach Erlebnissen wie dem geschilderten nie wieder nach Phuket kommen.
Die einzigen, die gut im Geschäft sind, sind die Jet-Ski-Mafia und die Gleitschirmvermieter.  Die beanspruchen jetzt immer mehr Raum am Strand, egal ob da jemand badet oder nicht.  Vor den Jet-Ski-Vermietern wird dringend gewarnt, sie sind bekannt dafür,  Kratzer an den Geräten den arglosen Touristen in Rechnung zu stellen.  Überhaupt  hat die Kriminalität in den letzten Jahren enorm zugenommen, im Schnitt gibt es einen Todesfall pro Woche, die tödlichen Verkehrsunfälle garnicht gezählt.   Mitte September 2014 wurden auf der Taucherinsel Koh Tao  zwei junge britische Touristen grausam ermordet. Der bisher nicht aufgeklärte Fall sorgte weltweit für Aufsehen und kratzte weiter an Thailands Image als friedlichem Ferienparadies.

Der ehemalige Militärchef und aktuelle Premierminister Prayuth Chan-ocha gab wenige Tage später Touristinnen indirekt Mitschuld an Gewalttaten: "Sie glauben, dass sie ihre Bikinis anziehen und überall hingehen können", sagte er und stellte somit infrage, ob gut aussehende Frauen in Badekleidung in seinem Land überhaupt sicher sein können. Wenige Tage später entschuldigte er sich für die Äußerungen.  In der Tat bewegen sich nur sehr wenige Thailänderinnen im Bikini am Strand, und schon garnicht woanders.

Dann  machte seine Tourismusministerin Kobkarn Wattanavrangkul mit dem Vorschlag international Schlagzeilen, Thailand-Urlaubern künftig Identifikationsarmbänder zu verpassen. Damit könne man ihnen besser helfen, "wenn sie betrunken sind oder sich verlaufen haben".  Dafür hat sie sich nicht entschuldigt, soweit bekannt.  Trunkenheit ist ein Problem, aber nicht beschränkt auf Ausländer. Betrunkene Thai-Männer greifen allerdings schon mal zur Schußwaffe, Ausländer randalieren nur.
Die neueste Errungenschaft am Strand sind Schilder in Thai,  Englisch, Chinesisch und Russisch ( alle anderen sollen gefälligst eine dieser Sprachen lernen )

Es gibt also den Clean Beach - den sauberen Strand, da darf man eine Matte mitnehmen, aber keinen Schirm und keine Liege. Man darf leichte Snacks essen ( was auch immer das ist  ) und nicht rauchen, dafür aber Wasser trinken.

In den "Spezialzonen" darf man Schirme aufstellen, alles andere ist wieder verboten.   Wehe dem arglosen Urlauber, der mit einer Flasche Bier am Strand erwischt wird!

Ich kann derzeit nur jedem Touristen raten, meidet Phuket!  Ihr wißt nicht, was Euch erwartet.  Es ist schlimm für alle, die von den Touristen gelebt haben und jetzt keine Einkünfte mehr haben, aber das Risiko, daß neue aberwitzige Vorschriften die Urlaubsfreude ganz verleiden, ist sehr hoch.

Montag, 6. Februar 2017

Neue Toiletten braucht das Land!

90% Sitztoiletten in drei Jahren! Diese Richtlinie gab stellvertretende Gesundheitsminister Chonlanan Srikaew im Jahre 2013 heraus. Sein Ministerium hatte einen Masterplan erstellt, in welchem alle thailändischen Haushalte aufgefordert wurden, bis 2016 nach Möglichkeit Toiletten nach westlichem Vorbild anzuschaffen.

Begründet wurde diese Aktion mit den möglichen gesundheitlichen Nachteilen, die die traditionellen Toiletten mit sich bringen: Nach Meinung von Dr. Chonlanan belasten die Hocktoiletten die Knie der Benutzer so stark, daß dies zu „degenerative joint desease“, zu deutsch Arthrose führen kann. Das Ministerium führt weiter aus, daß 6 Millionen Thais bereits an Arthrose litten, die meisten sind über 60 Jahre alt, und der Trend gehe zu Erkrankungen bei immer jüngeren Menschen. Zu den Risikofaktoren würde besonders Übergewicht gehören, welches die Gelenke sehr stark belaste.
 Eine Umfrage habe ergeben, daß 86% der Haushalte traditionelle Toiletten habe, 10% Sitztoiletten und 3,1 % beides. Das Ministerium strebe eine 90% Sitztoiletten-Rate in allen öffentlichen Einrichtungen an.

Heute, im Jahre 2016, hat sich in der Tat einiges getan, soweit ich auf meinen Reisen sehen konnte. Auf dem Land sind immer noch die traditionellen Toiletten in der Überzahl, aber sehr oft hat man, zumindest an Orten, wo viele Touristen hinkommen, einfach ein „Western Klo“ neben dem alten installiert. Wasserspülung ist selten machbar, zumindest dort, wo das Toilettenhäuschen aus Wellblech besteht und einfach irgendwo hinterm Haus steht. Da bleibt es dann bei der bekannten Wassertonne mit Schöpfgefäß, das Wasser ersetzt auch gleich das Klopapier.

Bei Neubauten werden wohl nur noch Sitztoiletten eingebaut, das
herrlichste Beispiel ist übrigens im „Weißen Tempel“ in Chiang Rai zu finden. Dieses goldene Bauwerk ist tatsächlich das Toilettenhaus, außen mit recht drastischen Figuren, die den Verwendungszweck plastisch darstellen, innen mit Schildern, die den Benutzer höflich auffordern, doch vor Benutzung die Schuhe auszuziehen. Praktischerweise werden Plastiklatschen für die Benutzung extra bereit gestellt.

 
Die Ministeriumsorder überhaupt nicht gelesen haben die Leute von der Eisenbahn. Die Wagons sind, ich konnte es erst neulich im Speisewagen auf der Strecke Chiang Mai-Bangkok feststellen, die gleichen wie vor 40 Jahren, und die Toiletten mit dem kurzen Abgangsrohr auf das Gleisbett haben sich auch noch nicht geändert.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Das Ministerium hat gerade eine Norm publiziert für Toiletten ( TISI 792-2554), aber die besagt eigentlich nur, daß die Produkte konform sein sollen mit den gängigen Hygiene- und Umweltstandarts. 


Ach ja, und ein Herr Dr. Yudhtana Satthawatamrong hatte eine gute Idee: Er schlägt vor, einfach kleine Hocker zu konstruieren, die man auf die alten Toiletten stellt. Die kosten wenig und das Problem mit den Gelenken ist auch gelöst.